stilisierte, bunte, durchscheinende Hände werden in die Luft gehalten

Jeder Vierte fürchtet, wegen fehlender Informationen nicht den richtigen Arzt zu finden

Laut einer Studie der Weissen Liste und der Bertelsmann Stiftung befürchtet mehr als jeder vierte Deutsche (27 Prozent) aufgrund fehlender Informationen nicht den richtigen Arzt zu finden. Über die Hälfte der Bürger wünsche sich mehr wichtige und neutrale Informationen. Festgestellt wurde in der Studie unter anderem auch, dass die deutsche Gesundheitspolitik bislang keine Daten über die Ausstattung, das Leistungsspektrum und die Erfahrungen der Ärzte veröffentlicht. Das sei in anderen Ländern anders. Wieviel Sinn das in der deutschen Gesundheitslandschaft macht, wurde allerdings nicht untersucht. Genau das wäre mir als mediageno-Mitarbeiterin aber wichtig gewesen.

Bürger möchten mehr Informationen über ihren Haus- und Facharzt

Fakt ist laut Studie allerdings, dass sich mehr als die Hälfte der Bürger mehr Informationen vor dem Besuch beim Haus- oder Facharzt wünscht. Wichtig sind den Befragten diesbezüglich insbesondere Informationen über:

  • Fachkenntnis und Erfahrungen mit der Behandlung der eigenen Krankheit (94 Prozent)
  • Hygiene in der Praxis (90 Prozent)
  • Zusatz-Leistungen – zum Beispiel Hautscreenings und Vorsorgeuntersuchungen (84 Prozent)
  • Behandlungsergebnisse des Arztes bei bestimmten Erkrankungen (80 Prozent)
  • Zufriedenheit anderer Patienten (75 Prozent)
  • Ausstattung der Praxis – zum Beispiel Röntgen- und Ultraschallgeräte (74 Prozent)

Patientinnen und Patienten fühlen sich schlecht informiert

Fakt ist laut Studie auch, dass sich die Befragten in allen benannten Bereichen nicht ausreichend informiert fühlen. Am größten ist die Diskrepanz dabei im Bereich der Praxis-Hygiene und am wenigsten informiert fühlen sich Patientinnen und Patienten über die apparative Ausstattung ihres Arztes.

Unseren mediageno-Erfahrungen nach geht es Patientinnen und Patienten beim Letzteren allerdings wohl weniger um die genaue Typen-Bezeichnung eines Gerätes, sondern eher darum, ob bestimmte Untersuchungen in der Praxis möglich sind. Es ist also nicht nötig, eine Information zum „Ultraschallgerät xyz unter Nutzung der Software 123, Anschaffung 2019“ herauszugeben – zumal Marken-Werbung den Ärztinnen und Ärzten ja untersagt ist. Es reicht die Information „Ultraschall-Untersuchungen von z.B. Schilddrüse und Abdomen (Bauchraum) werden in der Praxis durchgeführt“. Solche Informationen können Ärztinnen und Ärzte gut auf ihrer Praxis-Homepage platzieren. Und auch andere oben benannte Informationslücken könnten so geschlossen werden.

Internet als passender Ort für seriöse Informationen

Ginge es nach den Befragten, dann wäre gemäß der Studie das Internet ein passender Ort, diesen Informationsmissstand zu beheben. Allerdings sollten Arztsuchportale neutral und werbefrei sein (86 Prozent). Und weiter: „Die Länderanalyse zeigt: In Deutschland werden Daten über die Ausstattung, das Leistungsspektrum und die Erfahrungen der Ärzte von den Kassenärztlichen Vereinigungen erhoben. Die deutsche Gesundheitspolitik sieht jedoch bisher nicht vor, diese öffentlich zu machen. Andere Industrieländer, allen voran England und die USA, gehen wesentlich offener mit ihren Daten um. Patienten können sich dort ohne Zugangsbeschränkungen darüber informieren, welche Leistungen ein Arzt wie oft und in welcher Qualität anbietet. Dazu werden Abrechnungsdaten von einer staatlichen Institution ausgewertet. Außerdem werden Patienten regelmäßig seriös zu ihren Erfahrungen mit dem Arzt oder der Praxis befragt.“

Der Krampf mit diesen Veröffentlichungen

Meines Erachtens sind zentrale Veröffentlichungen, wie sie hier gefordert werden, nur bedingt zielführend. Denn:

  • Eine gute apparative Ausstattung macht noch keinen guten Arzt.
  • Die Qualität eines Leistungsangebots und der Behandlungserfolg sind in den Arztpraxen niedergelassener Ärzte nicht immer objektiv ermittelbar. Viele Faktoren spielen hier eine Rolle, darunter z.B. auch, welches Patienten-Klientel zum Einzugsbereich einer Arztpraxis gehört.
  • Es gibt ärztliche Fähigkeiten, die sich nicht verlässlich in Daten ausdrücken lassen. So z.B. die so genannten „Soft Skills“, die den Arzt-Patienten-Kontakt prägen, wie aufmerksames Zuhören, Eingehen auf Fragen, das Aufzeigen verschiedener Behandlungsmethoden oder ein insgesamt feinfühliger Umgang mit Patientinnen und Patienten.
  • Vor dem Hintergrund der ärztlichen Unterversorgung in ländlichen Regionen, muss man sich auch die Frage stellen, ob eine „schlechte“ Bewertung des vielleicht einzigen Arztes vor Ort ggf. auch unerwünschte Auswirkungen auf die betroffene Gemeinde/Kommune haben könnte.
  • Und wie lässt sich die „seriöse“ Befragung von Patientinnen und Patienten eigentlich mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) vereinbaren?

Die Studie der Weissen Liste und der Bertelsmann Stiftung erfolgte auf Grundlage einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage von Kantar Emnid, einer Ländervergleichsstudie des IGES-Instituts sowie eines ergänzenden Rechtsgutachtens. (B.Barth)

(In Anlehnung an eine pi der Bertelsmann Stiftung, 07.05.2018)

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