Kalte Dusche: Frau mit Brille bekommt eine Ladung kaltes Wassers ins Gesicht

Kalte Dusche: Wenn auch einfache Worte nicht zur Verständigung führen

Das Telefon klingelt. Ein Arzt ruft an. Der Stimme nach ist er schon etwas älter. Dieser Eindruck bestätigt sich mit seinen ersten Worten: Er würde seine Praxis vor der Praxisabgabe gerne noch ein wenig aufwerten. Er habe gehört, eine Praxis-Homepage könne dazu beitragen und er möchte uns gerne den Auftrag dafür geben.

Und ja, er hat ja Recht. Eine Praxis-Homepage, die gut gefunden wird, ist das Aushängeschild für eine gut organisierte Praxis. Dass dieses Bild nach außen vermittelt wird, ist Nachfolgern heute sehr wichtig und kann daher durchaus zu den kleinen entscheidenden Komponenten der Nachfolge gehören.


Gefragt, ob er schon Vorstellungen habe, wie seine Seite aussehen solle, kommt ein knappes „Legen Sie einfach los!“. Dann die Frage: „Wie wird das denn jetzt weitergehen?“ Und schon nimmt die Situationskomik ihren Lauf. Die kalte Dusche naht. Ich so: „Zunächst installieren wir die Software auf einem Server Ihrer Wahl. Haben Sie sich schon für einen Webhosting-Anbieter entschieden?“ Er dann so: „Was für ein Anbieter…? Ich denke, Sie kommen einfach in meine Praxis und installieren das hier auf meinem Rechner.“ Von mir erfolgt nun der Hinweis, dass wir es nicht empfehlen können, eine Website auf dem gleichen Server laufen zu lassen, auf dem auch die Praxis-Software laufe. Vom neuen Auftraggeber kommt daraufhin die Antwort, die Seite solle ja nicht auf den Server. Er spreche ja von seinem privaten Rechner.

An dieser Stelle komme ich ein wenig ins Schwimmen. Wie erklärt man jemandem, dass das nicht funktioniert, ohne ihm gleichzeitig zu verstehen zu geben, dass er diesbezüglich dezente Bildungslücken aufweist? Langsam wird mir klar, dass mein Einstieg in die Thematik nicht der beste war. Hätte ich dem Arzt doch bloß gesagt, dass er einen Kostenvoranschlag von uns bekommt, in dem auch der gesamte Ablauf akribisch erklärt wird. Zu spät… Ein gesprochenes Wort ist wie ein Pfeil, der den Bogen verlassen hat, man kann es nicht zurückholen.

Ich hole also sehr weit aus und deute zunächst einmal an, dass wir hier über eine Materie sprechen, die schwierig wirke, wenn man sich bislang noch nicht damit beschäftigt habe. Und erkläre dann, dass es ihm ja nichts nütze, wenn er die Website auf seinem Rechner habe. Dann könne ja nur er sie sehen, sobald er seinen Rechner gestartet habe. Die Seite benötige quasi ein Zuhause im Internet, damit jeder sie sehen könne.

Der Arzt daraufhin so: „Wenn das auf meinem Rechner nicht geht, dann will ich das nicht!“ Und Wumms… der Telefonhörer knallt auf die Gabel.

Fazit: Erkläre nichts am Telefon. Du könntest missverstanden werden oder unverstanden bleiben. Schicke immer erst einen Kostenvoranschlag, in dem der Ablauf genauestens erläutert wird.

(Es ist möglich, dass der Anrufer über ein schnurloses Telefon angerufen hat. Das Bild eines auf die Gabel knallenden Hörers passt in diesem Fall aber einfach viel besser. 🙂 )